Stadtplan Veranstaltungskalender Kontakt
 
Suche starten
Lukom > Veranstaltungen >  Stadt muss zur Marke werden



Die Stadt muss zur Marke werden

Interview im Mannheimer Morgen: Der neue Geschäftsführer der Ludwigshafener Kongress- und Marketing-Gesellschaft, Michael Cordier,  über das Stadtimage, Fehler der Vergangenheit und Visionen

Cordier: Stadt muss zur Marke werden
Im Gespräch mit Martin Geiger

Seit einem Monat ist Michael Cordier Geschäftsführer der Ludwigshafener Kongress- und Marketing-Gesellschaft. Und wer sieht, wie er von Termin zu Termin eilt, dabei scheinbar ständig lächelt und vehement die Stärken der Stadt betont, wird ein bisschen an Jürgen Klinsmann erinnert, der einst als Bundestrainer versucht hat, mit positivem Denken die Nationalmannschaft zum Erfolg zu führen. Was liegt da näher, als ihm eine Fußball-Frage zu stellen ...

Was ist der schwerere Job: Trainer der französischen Fußball-Nationalmannschaft zu sein oder Hauptverantwortlicher für das Ludwigshafener Stadtmarketing?
Michael Cordier: Beide Jobs sind schwer. Die Akteure im Ludwigshafener Stadtmarketing müssen sich noch zu einer Mannschaft zusammenfinden, um dann gemeinsam ein Spiel nach vorne zu entwickeln. Dann werden wir auch Erfolg haben.

Sie haben als Taktik einen Imagewandel der Stadt ausgegeben. Wie ist das Bild zurzeit?
Cordier: Heute gibt es 15 verschiedene Einstellungen zu Ludwigshafen. Wir haben 14 attraktive Stadtteile, in denen die Bewohner relativ zufrieden sind. Wenn ich sie aber frage, wie sie Ludwigshafen insgesamt sehen, denken sie nur an die marode Hochstraße und die leere Innenstadt und dann wird's negativ, obwohl die Menschen mit ihrer Umgebung eigentlich zufrieden sind.

Und wie ist der Blick von außen?
Cordier: Im Prinzip ähnlich. Wenn ich jemanden aus Mannheim oder Heidelberg frage, wie findest du Ludwigshafen, höre ich oft: "Ach Gott, ganz furchtbar." Wenn ich dann frage, wann warst du zum letzten Mal da, sagen die: "Schon ewig nicht mehr." Die Menschen haben einfach ein Bild im Kopf, zum Beispiel, dass es in Ludwigshafen stinkt. Das ist aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall. Deshalb kommen ganz andere Antworten heraus, wenn ich sie an die Hand nehme und mit ihnen durch die Stadt fahre.

Welche dieser Einstellungen wollen Sie zuerst ändern?
Cordier: Wichtig ist, dass sich die Menschen hier wohl fühlen und selbstbewusst sind. Nur aus diesem Selbstbewusstsein heraus können Sie es erreichen, dass man auch von außen anders auf die Stadt schaut.

Das mit dem Selbstbewusstsein ist schwer, wenn viele Projekte die Erwartungen nicht erfüllen, Stichwort Walzmühle oder Bahnhof ...
Cordier: Das stimmt, dadurch werden die Leute zu Recht skeptisch. Wir haben in der Vergangenheit manches mit großem Brimborium angekündigt, was dann nicht so eingetreten ist. Das wollen wir künftig vermeiden. Aber wegen ein paar Fehlschlägen alles schlecht zu reden und nur auf die Stadt einzuprügeln, das ist mir zu einfach. Darunter leiden wir am Ende alle.

Wie meinen Sie das?
Cordier: Wenn diese Stadt nicht zu einer einheitlichen Marke wird, wird sie wirtschaftlich drunter leiden. Wenn Sie heute zum Beispiel ein Haus in Friesenheim haben und verpflanzen es über den Rhein nach Mannheim, ist es plötzlich 100 000 Euro mehr wert. Es ist aber das gleiche Dach, die gleichen Fenster, alles gleich. Woher kommt das? Nur vom Image. Deshalb müssen wir das von Ludwigshafen verbessern. Sonst leidet irgendwann die Sicherheit drunter, weil in der Innenstadt keine Geschäfte mehr sind und auch keine Leute mehr. Dann könnte es passieren, dass wirklich einmal die Lichter ausgehen ...

Wie soll die neue Marke aussehen?
Cordier: ,Ludwigshafen, die liebenswerte oder lebenswerte Stadt am Fluss' - das ist die Vision, die ich habe.

Woraus setzt sich die zusammen?
Cordier: Zum Beispiel aus der Chance, dass wir hier an Deutschlands größtem Strom leben. Oder aus ,Einkaufen am Fluss', wie es ab September Tausende von Menschen in der Rhein-Galerie erleben werden. Einkaufen ist ein ganz wichtiger Teil des Images. Aber auch Sport, Vereine und die Kultur sind existenziell. Deshalb halte ich beispielsweise die geplante Ring-Inszenierung für richtig, weil sie ein Bild nach draußen transportiert. Ludwigshafen hat zudem eine wirklich hohe Wohnqualität, ,Wohnen am Rhein' erzeugt auf Dauer auch ein anderes Bild. Solche Leuchttürme müssen wir stärker in den Fokus rücken. Deshalb ist ein weiterer wichtiger Baustein: reden, reden, reden.

Manche meinen, mehr könnten Sie sowieso nicht tun ...
Cordier: Das stimmt nicht, wir werden in den nächsten Monaten in Workshops erarbeiten, wo wir überall ansetzen wollen. Klar ist, dass wir gewisse Rahmenbedingungen nicht verändern können. Das muss aber auch nicht sein, denn wir verkaufen mit Ludwigshafen ein gutes Produkt.

Quelle: Mannheimer Morgen, 7. Juli 2010

*
Druckversion Zur Startseite Eine Seite zurück springen nach oben zum Seitenanfang Zum Inhaltsverzeichnis *